mindshift.forum — Reflexion & Dialog

Wo Theologie auf Augmented Intelligence trifft

Mein Studienbegleiter zum Bachelorstudiengang „Kirchliche Praxis in säkularer Gesellschaft" an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen — Wintersemester 2026/27.

Motivation

Warum jetzt, warum dieses Studium

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich unter dem Titel „Augmented Intelligence" mit der Frage, wie Künstliche Intelligenz menschliche Urteilskraft verstärken kann, statt sie zu ersetzen. Je länger ich an dieser Frage arbeite, desto deutlicher wird mir: Sie ist am Ende keine technische Frage. Sie ist eine Frage danach, was den Menschen ausmacht — seine Freiheit, seine Fähigkeit zur Selbstreflexion, seine Verantwortung.

Diese Frage ist nicht neu. Die philosophische Anthropologie hat sie seit fast hundert Jahren gestellt, lange bevor es Sprachmodelle gab. Und die Theologie stellt sie noch länger. Wer über den Menschen im Zeitalter der Maschine nachdenken will, kommt an diesen beiden Traditionen nicht vorbei — und genau deshalb beginne ich im Oktober 2026 ein berufsbegleitendes Bachelorstudium in „Kirchlicher Praxis in säkularer Gesellschaft" an der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt.

Mir geht es dabei nicht um einen weiteren Abschluss als Selbstzweck, sondern um eine ernsthafte, mehrjährige Auseinandersetzung mit Fragen, die meine Arbeit in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft von einer anderen Seite her vertiefen: Was bleibt dem Menschen vorbehalten? Was bedeutet Gerechtigkeit? Woraus schöpft Verantwortung ihre Verbindlichkeit? Dieses Studium ist der Versuch, diese Fragen nicht nebenbei, sondern methodisch zu bearbeiten — und die Ergebnisse hier, auf diesem Forum, mit Ihnen zu teilen.

Rahmen

Der Studiengang in Kürze

Sankt Georgen ist eine traditionsreiche philosophisch-theologische Hochschule in Trägerschaft der Jesuiten. Der Bachelorstudiengang „Kirchliche Praxis in säkularer Gesellschaft" ist als berufsbegleitendes Studium konzipiert: Kontaktzeiten finden in konzentrierten Präsenzphasen statt, ergänzt durch digitale Formate und intensives Selbststudium.

Themenlandkarte

Was ich im ersten Semester bearbeite

Von den im ersten Semester angebotenen Modulen habe ich drei als Kernpaket gewählt. Zu jedem Modul notiere ich hier bereits, wo ich die stärkste Verbindung zu meinen sonstigen Themen sehe — als Wegweiser für mich selbst und als Einladung an Sie, mitzudenken.

Modul B6

Philosophische und theologische Anthropologie

Zwei Vorlesungen im Dialog: Was ist der Mensch, wenn man rein philosophisch fragt (Scheler, Plessner, Gehlen) — und was, wenn man von der biblischen Rede der Gottebenbildlichkeit ausgeht? Beide Zugänge verhandeln dieselbe Frage aus unterschiedlicher Richtung: die Sonderstellung des Menschen.

Arnold Gehlens Idee vom Menschen als „Mängelwesen", das seine biologische Unfertigkeit durch Werkzeug und Kultur kompensiert, ist eine frühe Formulierung genau dessen, was ich mit „Augmented Intelligence" meine: Verstärkung statt Ersatz. Dieses Modul liefert die philosophische Grundlage meiner gesamten Arbeitsthese.
Modul B7

Nachfolge, Lebensstile und Berufung

Eine Vorlesung zur Vielfalt christlicher Lebensformen und Berufungskonzepte über die Jahrhunderte — von frühen Ordensgründungen bis zu modernen Formen gelebter Spiritualität. Ergänzt durch eine exegetische Übung zu den Psalmen als Sprache der Klage und des Vertrauens.

Die ignatianische „Unterscheidung der Geister" ist ein jahrhundertealtes, erprobtes Verfahren zur Entscheidungsfindung unter Unsicherheit — methodisch nicht weit entfernt von den strukturierten Reflexionsprozessen, die ich in Beratungskontexten einsetze. Und die Frage nach Berufung berührt unmittelbar das, was dieses Studium für mich selbst bedeutet.
Modul B9

Der eine Gott und die vielen Götter

Ein großes, interdisziplinär angelegtes Modul mit vier Lehrenden zur Geschichte des Monotheismus im Vergleich zu anderen Religionsformen — biblisch, historisch und religionsphilosophisch.

Wer über globale KI-Governance nachdenkt, stößt schnell auf die Tatsache, dass „ethische Leitlinien" in unterschiedlichen Kulturkreisen auf unterschiedlichen Wertefundamenten stehen. Dieses Modul schärft den Blick für religiöse und kulturelle Pluralität — eine Voraussetzung für jede ernstzunehmende internationale Verständigung über Technikfolgen.